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Kö-Bogen

Gebogene und thermisch „geknickte“ Isoliergläser im Düsseldorfer Kö-Bogen

Düsseldorfs Königsallee ist nicht nur ein für seine Luxusangebote berühmter urbaner Boulevard – er ist, von Süden aus betrachtet, auch der sprichwörtliche Wegbereiter für den am nördlichen Ende der Prachtmeile entstandenen Kö-Bogen: einem von Daniel Libeskind entworfenen Gebäudeensemble, dessen Fassade aus Naturstein- und gebogenen Ganzglaselementen dem urbanen Flair rund um den Jan Wellem-Platz neuen Schwung verleiht.


Über das Projekt

Der Jan Wellem-Platz in Düsseldorfs pulsierender Stadtmitte hat eine bewegte und vor allem bewegende Geschichte. An der Ecke Hofgartenstraße stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Villa des Bankiers Max Trinkaus, das sogenannte Trinkaus-Palais, mit seinen im Stil des Historismus gestalteten repräsentativen Fassaden, das jedoch im Zuge der alliierten Luftangriffe im April 1944 zerstört wurde und abgebrochen werden musste. Nach dem Krieg entschieden sich die Stadtoberen gegen einen Wiederaufbau und errichteten stattdessen auf der frei gewordenen Fläche einen großen Straßenbahn- und Busknotenpunkt, gefolgt von der im Rahmen einer Vision der „autogerechten Stadt“ gebauten Stadtautobahn, dem „Tausendfüßler“. Was zum damaligen Zeitpunkt eine zwar elegante, aber in städtebaulicher Hinsicht durch die Teilung des Hofgartens auch trennende Zäsur im Stadtgefüge bildete, ist mittlerweile Geschichte: Im Rahmen der Planung neuer U-Bahn-Linien entschied die Stadt Düsseldorf 2009, sämtlichen Durchgangs-verkehr im Herzen der Innenstadt unter die Erde zu verlegen und den damals mit der Hochstraße geplanten Jan-Wellem-Platz als große gewonnene städtische Fläche neu zu gestalten.
Entstanden ist der vom New Yorker Star-Architekten Daniel Libeskind entworfene Kö-Bogen, ein aus zwei separaten Bauten bestehender und mit 26 Metern Höhe und mehr als 500 Metern Umfang imposanter Gebäude-Komplex und echter Hingucker in der Düsseldorfer Silhouette.


Fassade: Modulare Ordnung trotz komplexer Muster
Die Hauptfassaden des Kö-Bogens bestehen aus fast weißem Travertin-Naturstein und Ganzglas-Elementen in flächenbündiger Anordnung, deren komplexe Muster die modulare Ordnung nicht auf den ersten Blick erkennen lassen. Während zur Königsallee und zum Hofgarten der Charakter der Gebäude durch eine vertikale Ordnung unterstützt wird, verstärkt eine horizontale Ordnung den dynamischen Charakter zum Schadowplatz und zum Gustaf-Gründgens-Platz. Die Fassaden der Bauwerke nach Süden und Osten sind konkav und konvex geschwungen, während die westliche Seite der Fluchtlinie der Königsallee folgt. Zum Hofgarten im Norden beschreibt die Fassade den sanft geschwungenen Bogen der früheren Hofgartenstraße. Zum Hofgarten selbst und zur Königsallee springt die Fassade durch Einschnitte (engl. „cuts“) zurück, die bepflanzt werden. So wird die bei der Planung berücksichtigte Gebäudekante zum Hofgarten wiederhergestellt und das Gegenüber von Stadt- und Landschaftsraum erlebbar gemacht.

Komplexe Scheibengeometrie einzigartig in Europa
Die gesamte Elementfassade ist eine Sonderanfertigung, bestehend aus Elementgrößen zwischen 1,35 x 2,70 m und 2,70 x 5,60 m. „Durch die geschwungene Gebäudeform gibt es eine Vielzahl von Winkeln in der Pfosten-Riegel-Verbindung. Um gleiche Ansichtsbreiten sowohl innen als auch außen zu erhalten, wurde ein spezieller Drehpunkt für die Profilverbindung gewählt. Die äußere Glasleiste musste in verschiedenen Höhen hergestellt werden“, erläutert Ingo Bofinger von der Lindner Group die Konstruktionsdetails. „Die Glasfassade ist mit statisch tragender Verklebung innen und außen ausgeführt, wobei die äußere Verklebung als „mechanische Sicherung“ gilt, so konnte sie bauaufsichtlich genehmigt werden.“

Einzigartig in Europa ist die Verwendung von gebogenen und thermisch „geknickten“ Zweifach-Isoliergläsern als Element der Fassadengestaltung in diesem Ausmaß. Für den Standort Döring Berlin der SAINT-GOBAIN GLASSOLUTIONS OBJEKT-CENTER GMBH bestand die Herausforderung, den architektonischen Anspruch von 2.200 m² Fassadengläsern in unterschiedlichen Radien und Elementbreiten von 2,70 Metern und Höhen von bis zu 5,60 Metern erfolgreich umzusetzen. „Nur durch die intensive Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und unserer über Jahrzehnte erworbenen Biegekompetenz konnte aus der architektonischen Planung ein reales Produkt mit einzigartiger Scheibengeometrie entwickelt werden“, beschreibt Carsten Kunert, Projektleiter bei Döring Glas, das Projekt. Dafür sei die konsequente Weiterentwicklung der Biegeverfahren und teilweise auch der für die Herstellung verwendeten Betriebsmittel notwendig gewesen. „Durch das Biegen hochselektiver Beschichtungen mit kleinsten Radien sind wir hier in der Lage, die gestellten architektonischen und auch bauphysikalischen Anforderungen zu erfüllen“, so Kunert.

Verknüpfung von Architektur und Natur
In der Tat verleihen die gebogenen Glaselemente dem gesamten Komplex eine sanfte Leichtigkeit. Betont und intensiviert wird dieser Eindruck von den fünf Meter breiten und zwei Meter tiefen Fassadeneinschnitten. Der so entstehende Außenraum ist mit skulpturalen Elementen besetzt, die zum Teil intensiv begrünt werden. Die Begegnung von Stadt und Landschaft, um die es am Kö-Bogen geht, wird so im Gebäude selbst thematisiert: Natur und Architektur sind miteinander in einzigartiger Weise verknüpft. So hat Libeskind am Ende von Düsseldorfs Prachtmeile eine sanft geschwungene Landmarke erschaffen, die sich nicht nur formal und maßstäblich auf die Umgebung bezieht, sondern auch verschiedene Epochen von Geschichte zitiert und verbindende Funktion an einer Schnittstelle der Stadt verleiht. Nach eigener Aussage hatte der Star-Architekt beim Entwurf die Menschen vor Augen, die in dieser Stadt leben oder zu Gast sind. Der Kö-Bogen soll kein Konsum-Tempel, sondern ein Kaufhaus der Zukunft sein, ein neuwertiger sozialer Raum, der die bewegte Geschichte des Jan Wellem-Platzes um ein weiteres Kapitel bereichert.


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