Hans-Sachs-Haus

Multifunktionsgläser im umgebauten Gelsenkirchener Baudenkmal Hans-Sachs-Haus

Nach vier Jahren Bauzeit weihte die Stadt Gelsenkirchen Ende August 2013 ihr neues Rathaus nach den Plänen der Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) ein. Herausforderung war, das bestehende Rathaus im Zentrum der Stadt abzureißen und unter Beibehaltung der denkmalgeschützten Backsteinfassade aus den 1920er-Jahren ein neues Rathaus mit öffentlichem Bürgerforum zu bauen. Entstanden ist eine bemerkenswerte Kombination aus Backsteinexpressionismus und gläserner Haut, die es ins Weltlexikon der Architektur geschafft hat.


Über das Projekt

Verwaltung, Geschäfte, Büros, Hotel, Gastronomie, Kultureinrichtungen und ein Konzertsaal – alles in einem Haus: 1927 eröffnete in Gelsenkirchen ein ungewöhnlicher Neubau, für den man mit dem Nürnberger Meistersänger Hans Sachs den idealen Namenspaten gefunden hatte – steht der dichtende Handwerker doch sinnbildlich für die Verknüpfung von Werkarbeit und Kunst. Dem einzigartigen Nutzungskonzept entsprach die unverwechselbare Architektur: Architekt Alfred Fischer setzte mit einer einmaligen Verbindung von neuer Sachlichkeit und Backsteinexpressionismus architektonische Maßstäbe, die noch heute bewundert werden. „Wahrheit, Klarheit, Einfachheit sind die Richtlinien, denen der schöpferische Geist folgt“, beschrieb Fischer 1927 seine gestalterische Idee, fügte jedoch hinzu, dass erst die Zukunft zeigen werde, […] ob dem Werk die Qualität innewohnt, die ihm dauerndes Leben sichert.“

Und tatsächlich, es war diese architektonische Qualität, die das Hans-Sachs-Haus vor seinem sicher geglaubten Ende bewahrt hat. Nachdem Anfang der 2000er-Jahre im Zuge einer ursprünglich geplanten Sanierung erhebliche Baumängel festgestellt worden waren, war der Abriss des Gebäudes bereits beschlossene Sache. Durch das Engagement eines Bürgerforums, von Architekten und Stadtplanern konnte der Entschluss rückgängig gemacht und die Bauaufgabe formuliert werden: Das alte Rathaus im Zentrum Gelsenkirchens sollte abgerissen und zusammen mit einem Bürgerforum in das Hans-Sachs-Haus integriert werden. Die Architekten von Gerkan, Marg und Partner entschieden den ausgeschriebenen Architekturwettbewerb für sich, der vorsah, die historische Fassade und den Hotelturm zu erhalten und das Gebäude ansonsten komplett zu entkernen. Ein Erweiterungsbau der 1950er-Jahre wurde gänzlich abgerissen.

Multifunktionalität plus Schallschutz
Der Architektenentwurf erhält den Charakter des modernen Gebäudes, ergänzt ihn aber um Transparenz und Funktionalität. Augenfällig ist dabei die Rolle des Glases: Da wo einst der Erweiterungsbau stand, öffnet sich das Hans-Sachs-Haus nun über eine große Glasfassade zum neu entstandenen Bürgerplatz hin. Der Standort Radeburg der SAINT-GOBAIN GLASSOLUTIONS OBJEKT-CENTER GMBH, fertigte und lieferte dafür insgesamt rund 1.370 m² Multifunktionsglas. Der Großteil der äußeren Pfosten-Riegel-Fassade erhielt das – teilweise gebogene – Zweifach-Isolier- und Sonnenschutzglas CLIMAPLUS COOL-LITE aus ESG und VSG, in Teilen ausgeführt als Übergrößen und mit Alarmspinne. Die in die meisten Isolierglaseinheiten integrierte Schallschutzfolie sorgt für Schalldämmwerte von bis zu 42 dBA. Noch höhere Schallschutzanforderungen wurden an die Innenverglasungen des Atriums gestellt: Hier kamen rund 700 m2 Festverglasungen und Flügel aus extraweißem Glas DIAMANT als VSG zum Einsatz, durch deren 1,14 mm starke Schallschutzfolie Schalldämmwerte bis zu 49 dBA erreicht werden. Den Einbau der Gläser vor Ort nahmen die Fassadenbauer von der Fassaden-Technik Berlin Innovations-GmbH (BFTi) vor.

Für Gelsenkirchen – und ins Weltlexikon der Architektur
Die ursprüngliche Idee des öffentlichen Bürgerhauses mit dem zentralen Veranstaltungssaal als Bürgerforum wurde wieder aufgenommen und neu interpretiert. Durch den Abriss des Ergänzungsbaus entstand ein neuer „Bürgerplatz“, der Alfred-Fischer-Platz, der im Erdgeschoss des neuen Hans-Sachs-Hauses als Bürgerforum fortgesetzt wird. Bei gutem Wetter können die Türen der Westfassade geöffnet werden und Veranstaltungen und Konzerte innen und außen stattfinden. Durch diesen fließenden Übergang wird besonders der Eindruck eines „offenen Hauses“ für die Bürger gestärkt – was Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski im Rahmen der Einweihungsfeier noch einmal explizit betonte: „Das neue Hans-Sachs-Haus ist da, und es soll – und wird – wie sein Vorgänger ein offenes Haus der Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener sein.“ Und nicht nur das: Als Paradebeispiel neuer Sachlichkeit und gehobener Baukultur des Backsteinexpressionismus hat es das Hans-Sachs-Haus ins Weltlexikon der Architektur geschafft.


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